|
BLK-Programm SINUS Problembereiche des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts In
dem Gutachten zur Vorbereitung des Programms sind – basierend auf dem aktuellen
Stand der Lehr- und Lernforschung – u. a. folgende Problembereiche des
mathematisch- naturwissenschaftlichen Unterrichts beschrieben:
Dominanz
des fragend-entwickelnden Unterrichtsstils: Neuer Stoff wird in der Regel
konvergent und kurzschrittig erarbeitet. Dabei wird der kognitiven Selbsttätigkeit
der Schüler nicht genügend Raum gegeben. Der Unterricht orientiert
sich zu stark am Ergebnis und zu
wenig
am Lernprozess.
Vermischung
von Lern- und Leistungssituationen: Im fragend-entwickelnden Unterricht
sollten sich Schülerantworten harmonisch in den Entwicklungsgang des
Gesprächs einfügen. Jede Lehrerfrage ist für Schüler
somit eine potentielle Leistungssituation.
Mangelnde
Variation der Übungsformen: Aufgaben dienen in erster Linie dazu,
neu erarbeitete Verfahren einzuschleifen. Selten werden Kontexte variiert,
Aufgabenstrukturen modifiziert oder ver-schiedene Lösungswege diskutiert.
Mangelnde
Vernetzung des Wissens: Es gelingt nicht hinreichend, neuen Stoff durch
eine gezielte Verknüpfung mit früher oder in anderen Fächern
Gelerntem systematisch im Wissensfundament zu verankern.
Maßnahmen
zur Verbesserung des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts
Die
im Expertengutachten vorgeschlagenen Arbeitsschwerpunkte sind als Module
konzipiert. Sie ermöglichen den beteiligten Schulen individuelle Schwerpunktsetzungen,
sind aber gleichwohl als Einheit zu verstehen. Modul
1: Weiterentwicklung der Aufgabenkultur Übungsphasen
dürfen nicht allein der Routinebildung dienen. Aufgaben, die unterschiedliche
Lösungswege zulassen, die durch Variation von Kontexten anspruchsvolle
Denk- und Übertragungsprobleme schaffen oder durch die früher
Gelerntes systematisch wiederholt und mit neuem Stoff verknüpft wird,
können zur besseren Durchdringung des Lernstoffes beitragen. Modul
2: Naturwissenschaftliches Arbeiten Damit
Schülerinnen und Schüler das Experimentieren im naturwissenschaftlichen
Unterricht als zielgerichtetes und systematisches Vorgehen erfahren, sollte
die Durchführung eines Experiments als ein Element eines Prozesses
dargestellt werden, der auch das Formulieren von Vermutungen, die Planung
des Experiments sowie die Interpretation der Ergebnisse und die Reflexion
der Vorgehensweise umfasst. Modul
3: Aus Fehlern lernen Ein
wichtiges Anliegen des Programms ist die Rehabilitierung des Fehlers als
Lerngelegenheit. Fehler müssen im Unterricht ohne Bewertung und Beschämung
erlaubt sein und es müssen Handlungsroutinen zur Verfügung stehen,
um mit Fehlern lernfördernd umzugehen. Modul
4: Sicherung von Basiswissen – Verständnisvolles Lernen auf unterschiedlichen
Niveaus Im
Unterricht sollten möglichst viele Schülerinnen und Schüler
kognitiv und motivational angesprochen werden. Es muss sichergestellt werden,
dass sie auf unterschiedlichen Kompetenzniveaus verständnisvoll lernen
können und das notwendige Grundwissen erwerben. Modul
5: Zuwachs von Kompetenz erfahrbar machen: Kumulatives Lernen Schülerinnen
und Schüler müssen spüren können, wie sie in ihrer
Kompetenzentwicklung voranschreiten, damit sie Lernanstrengungen als lohnend
empfinden und Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten gewinnen. Damit
sie eine Vorstellung entwickeln können, wie die einzelnen Lerninhalte
aufeinander aufbauen und zusammenhängen, müssen Verknüpfungen
zwischen früheren, aktuellen und zukünftigen Lerninhalten hergestellt
werden. Modul
6: Fächergrenzen erfahrbar machen: Fächerübergreifendes
und fächerverbindendes Arbeiten Um
die wechselseitigen Beziehungen zwischen den Naturwissenschaften zu verdeutlichen,
sollen interdisziplinäre Schnittstellen behandelt und bestimmte Phänomene
oder Probleme aus der Sicht verschiedener Fächer behandelt werden. Modul
7: Förderung von Mädchen und Jungen Im
mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht zeichnen sich beträchtliche
Leistungs- und Interessensunterschiede zwischen Mädchen und Jungen
ab, die nicht durch Geschlechterdifferenzen in den kognitiven Fähigkeiten
bedingt sind. Im Rahmen des Programms soll an der Umsetzung bereits vorliegender
Konzepte zur besseren Einbeziehung von Mädchen weitergearbeitet werden. Modul
8: Entwicklung von Aufgaben für die Kooperation von Schülern Die
Bedeutung sozialer Prozesse für das Lernen wurde im mathematisch-
naturwissenschaftlichen Unterricht bislang unterschätzt. Im Rahmen
des Programms sollen deshalb Aufgabenstellungen entwickelt und erprobt
werden, die so angelegt sind, dass Kooperation tatsächlich sinnvoll
ist und die Schülerinnen und Schüler durch das Zusammenarbeiten
für ihr Lernen profitieren. Modul
9: Verantwortung für das eigene Lernen stärken Die
Bereitschaft und die Fähigkeit, selbstverantwortlich zu lernen und
dabei wirksame Strategien zu verwenden, müssen im Fachkontext entwickelt
werden. Es soll erprobt werden, welche Gelegenheiten im mathematisch-naturwissenschaftlichen
Unterricht besonders dafür geeignet sind und welche Unterstützung
Schüler dabei benötigen. Modul
10: Prüfen: Erfassen und Rückmelden von Kompetenzzuwachs Leistungserhebungen
müssen abgestuft Routinewissen, die Kombination neu erworbenen Wissens
mit früheren Inhalten und die Übertragung auf neue Situationen
überprüfen. Den Schülerinnen und Schülern soll Rückmeldung
über individuelle Leistungsfortschritte gegeben werden. Modul
11: Qualitätssicherung innerhalb der Schule und Entwicklung schulübergreifender
Standards Im Rahmen
des Programms soll an den Schulen der Stand des Wissens und Könnens
erfasst werden. Die Diskussion der Ergebnisse in der Fachgruppe liefert
eine Grundlage für die Entwicklung interner und schulübergreifender
Standards.
Quellen: http://www.sinus-bayern.de/
Zurück |