Geometrische Mosaike als gemeinsame Symbole des Islam und des Christentums

Die Quincunx-Mosaikmuster in den Kirchen Siziliens aus dem 12. Jhd. sind ein bedeutendes Symbol für die Wertschätzung zweier Glaubenswelten: Islam und Christentum.

5kreise-palatina                       5kreise-Cefalu

                 in der Cappella Palatina                                                       im Dom von Cefalu

5kreise-boden

 im Marmorboden der Kirche San Cataldo, Fotos: M. Holzapfel

Bei diesem geometrischen Muster in der Cappella Palatina in Palermo, die von 1132 bis 1140 n. Chr. unter König Roger II im normannisch-arabisch-byzantinischen Stil erbaut wurde, und im Dom von Cefalu, erbaut unter König Roger II ab 1131, handelt es sich um ein sogenanntes Quincunx-Muster (eine Anordnung aus fünf Punkten, hier Kreise), das auch im prächtigen Marmorboden der Kirche San Cataldo in Palermo, 1154 – 1160 unter Maio von Bari errichtet, eingearbeitet ist. 

Obwohl die geometrische Gestaltung stark von der islamischen Fatimiden-Kunst beeinflusst ist, verbindet dieses spezifische Symbol hier zwei Welten, die islamische Geometrie mit der christlich-römischen Tradition der Kosmaten-Böden. 

Bedeutung und Einordnung des des Quincunx-Mosaikmusters als Symbol.

Islamischer Einfluss: Die arabisch-normannische Architektur Siziliens nutzte für die Böden komplexe geometrische Muster. Ein zentraler Kreis, der von vier weiteren Kreisen umschlungen oder berührt wird, symbolisiert in der islamischen Kunst häufig die göttliche Einheit im Zentrum, aus der sich das geordnete Universum und die vier Himmelsrichtungen oder vier Elemente entfalten. Die Zahl 5 steht auch für die 5 Säulen des Islam.

Christlicher Einfluss: Im christlichen Raum, insbesondere bei den aus Rom stammenden Kosmaten-Mosaiken, stellt das Muster aus fünf Kreisen oft Christus in der Mitte, umgeben von den vier Evangelisten (Matthäus, Markus Lukas, Johannes) dar. Das Quincunx-Muster ist auch ein Symbol für das Kreuz.

Die Synthese: Unter König Roger II. (1095 Mileto – 1154 Palermo) arbeiteten fatimidische (muslimische) Kunsthandwerker Hand in Hand mit byzantinischen und lateinischen Meistern. Sie wählten geometrische Formen, die für beide Religionen heilig und lesbar waren, um die Harmonie der Kulturen im damaligen normannischen Sizilien zu demonstrieren. 


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